Heidenheimer Straße:

Keine Baumentnahme bis zur Klärung möglicher Widersprüche

Der Einsatz für eine städtische Baumschutzverordnung, der besondere Schutz des vorhanden Baumbestands sowie Proteste gegen vorschnelle Rodungen sind seit jeher zentrale Anliegen grüner Politik in St. Pölten. Mit dem Eintritt in die Stadtregierung verbunden ist das Ziel, St. Pölten, und hier insbesondere den dicht bebauten Zentralraum, deutlich grüner und klimafit zu machen.

In der letzten Gemeinderatssitzung vom 11. Mai wurde unter anderem die Sanierung der Heidenheimer Straße beschlossen. Im Zuge der Arbeiten werden erstmals in der Viktor Adler-Straße zwischen Heidenheimer Straße und Grillparzerstraße 23. Parkplätze zugunsten der Neupflanzung von zehn Bäumen weichen. Ein erster Schritt in Richtung mehr innerstädtischem Grün.

Überschattet wird dies jedoch deutlich von der geplanten Entnahme 24 alter Linden, die laut behördeninternen Informationen großteils bereits jetzt schwer beeinträchtigt sind und deren Verkehrssicherheit in Folge der notwendigen Leitungs- und Straßenarbeiten nicht mehr gegeben wäre. Der Beschluss von Ersatzpflanzungen sowie der langfristigen Verbesserung durch deutlich größere Pflanzgruben darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine solche Maßnahme für die Grünen nur als absolute Ultima Ratio akzeptabel ist.

Aktive Gespräche mit den zuständigen Fachabteilungen hatten schlussendlich zum Ergebnis, dass keine geeignete Alternative zur Entnahme der Bäume bestünde. Eine schmerzhafte Erkenntnis im Wissen um die wertvollen Eigenschaften solch alter Bäume:

Altbäume: Klimaschutz, der nicht ersetzbar ist

  • großflächige Verschattung

  • deutliche Abkühlung des Straßenraums

  • Schutz der Wohngebäude vor Überhitzung

  • Speicherung großer Mengen an Kohlenstoff

  • Lebensraum für Vögel und Insekten

Wir Grünen wurden durch Mmag. Dr. Susanne Binder-Novak am Freitag über die Pressekonferenz zum Thema Heidenheimer Straße und Erhalt des Baumbestandes informiert. Das in der Einladung angeführte Gutachten wurde uns dankenswerter weise ebenfalls übermittelt. In diesem werden die Bäume zumeist als „gut und erhaltenswert“ eingestuft. Eine Situation, auf die von grüner Seite sofort und sehr klar reagiert wurde.

Grüne positionieren sich klar:

Porträt Walter Heimerl-Lesnik📸 Christian Dusek

Walter Heimerl-Lesnik, Stadtrat / ständiger Vertreter des Bürgermeisters

„Das Ergebnis steht in deutlichem Widerspruch zu den uns vorliegenden Informationen aus dem Magistrat. Wir haben unser Abstimmungsverhalten in dieser elementaren Frage von der Auskunft der hausinternen Experten abhängig gemacht: Im Zuge der laufenden Prüfungen wurde die prognostizierte Restlebensdauer der Bäume mit ca. 10 Jahren beziffert.

Die Baumumfelder sind äußerst klein dimensioniert, durch die Aufwurzelungen im Fahrbahn- und Gehwegbereich besteht aus Haftungsgründen dringender Handlungsbedarf.“ (Zitat aus dem Amtsbericht zum Gemeinderatsbeschluss)

Da das neue Gutachten zu einer gänzlich anderen Einschätzung bezüglich der Baumvitalität kommt, müssen die stadtseitigen Annahmen überprüft und gegebenenfalls Konsequenzen gezogen werden. Ein derartiger Eingriff, wie er in der Heidenheimer Straße geplant ist, darf nur erfolgen, wenn zweifelsfrei keine andere sinnvolle Vorgehensweise möglich ist. Bis zur Klärung dieser Widersprüche ist aus unserer Sicht an eine Entnahme der Bäume nicht zu denken.“ 

Unabhängig vom Klärungsergebnis wurde bereits zugesagt, dass etwaige Fällungen erst nach der Brutzeit frühestens Ende Juli geschehen werden.

Klar ist: Der Erhalt und die Ausweitung städtischer Grünräume und Bäume war, ist und bleibt das oberste Ziel. Die Grünen stehen verlässlich auf der Seite des Klima- und Umweltschutzes, egal ob in Opposition oder der Stadtregierung. Genau deshalb werden die berechtigte Zweifel ernst genommen und aktiv eine Prüfung vorangetrieben.

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