Schnelles Einschreiten verhinderte die Gefährdung von Falken und Dohlen durch Dachsanierung

Nach wie vor ist es nicht immer zum Besten um das Image von Industriebetrieben bestellt, wenn es um Natur- und Tierschutz geht. Umso mehr freuen wir uns über die hohe Kooperations- und Einsatzbereitschaft von Voith-Hydro.

Am Voith-Standort in St. Pölten erhalten momentan einige Hallen ein neues Dach. Die Modernisierung der bestehenden Hallen soll nach Aussage der Voith-Geschäftsleitung den ökologischen Fußabdruck verringern, weil dadurch die Bebauung neuer Flächen vermieden werden könne.

Am Freitag vor Ostern wurden die Grünen von einer aufmerksamen St. Pöltnerin darauf hingewiesen, dass unter dem Dach einer dieser Hallen streng geschützte Turmfalken und Dohlen nisten und bereits brüten könnten. Und tatsächlich beobachteten wir zahlreiche Zuflüge sowie deutlich sichtbare Kotspuren an der Hallen-Außenhaut. Beide Vogelarten sind äußerst standorttreu, nutzen also einmal erfolgreich bebrütete Plätze immer wieder – und sind entsprechend auf sie angewiesen

Voith GmbH stoppte die Bauarbeiten!

Trotz der Osterfeiertage ist es uns gelungen, den Prokuristen und Geschäftsführer der Fa. Voith-Hydro, Herrn Martin Rohrer, über die Notlage der Vögel zu informieren. Und er reagierte prompt und tierfreundlich: Noch am Ostermontag stoppte er die für Dienstag nach Ostern geplanten Arbeiten, um eine Bergung möglicher Gelege zu ermöglichen.

Frühmorgendliche Bergungsaktion: zum Glück nur leere Nester!

In einer frühmorgendlichen Aktion suchten dann die Betriebsfeuerwehr und Mitarbeiter der Fa. Voith unter fachkundiger Aufsicht der Greifvogelstation St. Georgen nach möglichen Gelegen der Vögel im Dachstuhl der Halle. Doch leider – oder besser: zum Glück – wurden nur leere Nester aufgefunden – die Vögel haben offenbar heuer trotz der warmen Witterung mit der Brut noch nicht begonnen.

Im Fall von Eiern oder gar Jungvögeln hätten diese entnommen werden müssen und wären von der Greifvogelstation St. Georgen übernommen und später ausgewildert worden. Natürlich ohne Erfolgsgarantie. Da die Vögel aber noch keine Eier gelegt hatten, wird die heurige Brut relativ sicher durchkommen, denn noch können die Vögel ihre Eier an einem Alternativstandort legen und dort dann ihre Jungen in Ruhe selber aufziehen, so wie die Natur das vorgesehen hat.

Voith-Geschäftsführung zeigt Tierschutz-Bewusstsein

Walter Heimerl-Lesnik, Grüner Gemeinderat in St. Pölten📸 Christian Dusek

Walter Heimerl-Lesnik, Gemeinderat

“Nach wie vor ist es nicht immer zum Besten um das Image von Industriebetrieben bestellt, wenn es um Natur- und Tierschutz geht. Umso mehr freuen wir uns über die hohe Kooperations- und Einsatzbereitschaft von Voith-Hydro-Geschäftsführer Martin Rohrer, der nicht nur aus seinem Osterurlaub heraus einen Stopp der Bauarbeiten veranlasste, sondern die Installation von Ersatz-Nisthilfen für die Vögel nach Abschluss der Bauarbeiten zusagte. Dies läßt hoffen, dass auch in der Industrie endlich ein Bewusstseinswandel stattfindet.”

Naturschutz: Totes Recht?

Der erfolgreichen Rettungsaktion voran ging eine telefonische Odyssee, um herauszufinden, wer für den Schutz von Wildtieren überhaupt zuständig ist. Anrufe bei den Naturschutzabteilungen des Landes Niederösterreich und der Stadt St. Pölten, der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten, der Tierschutzhotline des Landes NÖ, der Polizei und der Jägerschaft ergaben entweder gar nichts, Fehlinformationen oder Verweise auf die jeweils anderen, tw. war auch niemand erreichbar – am späten Karfreitag Vormittag, aber innerhalb der offiziellen Amtszeit.

Für uns bot sich so der Eindruck, dass der durch das Niederösterreichische Naturschutzgesetzes bzw. die Vogelschutz-Richtlinie garantierte Wildtierschutz offenbar nur auf dem Papier zu existieren scheint, um bei passender Gelegenheit öffentlichkeitswirksam darauf verweisen zu können. Geht es um die konkrete Einhaltung der Vorschriften (zB. müssten Baumaßnahmen zeitlich auf die Brutsaison gebäudebrütender Vögel abgestimmt und Ersatznisthilfen angeboten werden), will auf einmal niemand zuständig sein.

Hilfe von Greifvogel-Experten

Wirklich brauchbare und hilfreiche Infos kamen von den Greifvogelstation der Tierschutzorganisation “Vier Pfoten” in Haringsee und der privaten, von WWF und Verein Vier Pfoten unterstützten Greifvogelstation St. Georgen, die von Peter Steinbichl und seiner Tochter Sylvia betrieben wird.

Peter und Sylvia Steinbichl waren es auch, die sich spontan bereit erklärten, am Dienstag nach Ostern frühmorgens ihre fachliche Expertise bei der Bergungsaktion einzubringen – kostenlos. Danke dafür!

News zu ähnlichen Themen

Immer up-to-date:

Mit unserem Newsletter!

1 – 2 mal im Monat direkt in dein E-Mail-Postfach:

  • Einblicke in unsere Arbeit im St. Pöltner Gemeinderat
  • Themen, die uns bewegen,
  • aktuelle Termine und Veranstaltungen
  • und viele weitere spannende Themen.

Natürlich kannst Du Dich jederzeit unkompliziert wieder abmelden.

E-Mail-Newsletter

1 – 2 mal im Monat Grüne News direkt in Dein Postfach!
DSGVO-Erklärung

Für den Versand unserer Newsletter nutzen wir rapidmail. Mit Ihrer Anmeldung stimmen Sie zu, dass die eingegebenen Daten an rapidmail übermittelt werden. Beachten Sie bitte auch die AGB und Datenschutzbestimmungen .