Ein kritischer Kommentar
Wenn die Titelseite von „St. Pölten Konkret“ mit Bildern des Grünen Stadtrands auftrumpft, dann lässt sich erahnen, dass wieder Großes bevorsteht. Ob ein großer Erfolg oder nur eine große Schlagzeile ist die Gretchenfrage, die in dieser Stadt bisher leider zu oft mit letzterem beantwortet werden musste.
Aber wenn in einem kurzen Moment, der nach vorne blickende Optimist, den erfahrenen Realisten beiseitelässt, könnte man Hoffnung schöpfen, dass wir tatsächlich die Weichen für Klimaneutralität stellen und zur Modellregion werden könnten. Eine schöne Vorstellung vorbildlicher Signalwirkung als Landeshauptstadt, kombiniert mit schwindenden Zukunftsängsten angesichts der Klimakrise, in der wir uns längst befinden. Plötzlich würde den Forderungen und dem Protest – vor allem junger Menschen die ihre Zukunft zurecht bedroht sehen – Rechnung getragen werden.
Und während der grenzenlose Optimist diese Träume wagt, meldet sich der Realist zu Wort, dem zum Thema Klimaschutz in dieser SPÖ-regierten Stadt oftmals eine weniger charmante Rolle zuteilwird. Werden die Weichen für die Zukunft doch immer wieder von jenen blockiert, die nicht Schienen in die Zukunft legen, sondern sich lieber auf der asphaltierten Überholspur sehen – vielleicht ahnend oder sogar wissend – in Wahrheit mit Vollgas in einer klimapolitischen Geisterfahrt unterwegs zu sein.
Die Zerstörung des Altoonaparks, die Abholzung der WWE-Gründe, die Hitzeinsel Domplatz und die rasante Flächenversiegelung lassen an dem auf der Titelseite der stadteigenen Hofberichterstattung ausgerufenen Ziel der Klimaneutralität deutliche Zweifel aufkommen. Erst recht unrealistisch mutet diese Schlagzeile an, wenn man bedenkt, dass Bauern mit der Schnellstraße S34 um ihre Existenz und St. Pölten um ein wertvolles Naturgebiet gebracht werden sollen, mit dem Ziel, hunderte LKWs zu einem “Frischelager” eines internationalen Konzerns zu bringen, für dessen Bau wieder zigtausende Quadratmeter Böden zerstört werden. 160.000 m2 auf denen jene Lebensmittel wachsen könnten, die nunmehr mit langen Transportwegen angekarrt werden, um sie in den Filialen des Konzerns teuer als „regional“ zu verkaufen.
Da stellt sich doch die Frage: Wie würde wohl diese Stadt aussehen, wenn statt jedem grünen Mascherl ein Baum, statt jedem Greenwashing eine Begrünung und statt jeder Sonntagsrede eine reale Maßnahme gesetzt werden würde? Was wenn die Natur vor Investoren und nicht mehr die Profitinteressen vor dem Protest der Bürger:innen geschützt werden würden?
Dann, aber auch nur dann, hätten wir die Chance, dass die heutigen Träume des Optimisten morgen Realität werden und der gelernte Realist bei der Schlagziele Klimaneutralität-Pionierstadt keine Zweifel, kein Misstrauen verspürt, sondern weiß, dass hier Verantwortung regiert und nicht die PR-Abteilung des Rathauses.
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