17 Jahre lang wurde kein neues Naturdenkmal verordnet, stattdessen 9 aufgehoben!

Seit dem Jahr 2006 erklärte St. Pölten keine Bäume mehr zum Naturdenkmal. Zugleich wurden in diesen 17 Jahren neun Naturdenkmalverordnungen aufgehoben. Ein gemeinsamer Antrag von 2 Vereinen und den Grünen will das ändern.

Die Erklärung zum Naturdenkmal ist eine vergleichsweise einfache Maßnahme, Baumhabitate zu schützen und möglichst lange zu erhalten. Doch St. Pölten nutzt nicht einmal diese Möglichkeit. Naturschutz scheint den Verantwortlichen im Magistrat kein Anliegen zu sein – wie sich in letzter Zeit mehrfach zeigte.

Um diese negative Entwicklung zu stoppen, reichten die Vereine greensteps und Lanius gemeinsam mit den Grünen St. Pölten 185 Baumstandorte mit 265 Einzelbäumen im Dezember 2022 beim St. Pöltner Magistrat zur Naturdenkmalerklärung ein.

Alle unsere vorgeschlagenen Naturdenkmäler wurden bisher abgelehnt

Bis Ende 2023 wurden erst neun unserer Anträge abgearbeitet. Bei dieser Bearbeitungsgeschwindigkeit wird unser Antrag erst in weiteren 17 Jahren, am 1. Oktober 2040 abgearbeitet sein…

Alle neun Standorte wurden abgelehnt. „Nicht mehr vital genug“ lautete fast ausschließlich die Begründung. Für das Niederösterreichische Naturschutzgesetz ist es jedoch keine Voraussetzung, dass ein Baum besonders gesund sein und noch eine hohe Lebenserwartung aufweisen muss, um ihn zum Naturdenkmal zu machen.

Das Naturdenkmal im Niederösterreichischen Naturschutzgesetz (§12)

Naturdenkmal

(1) Naturgebilde, die sich durch ihre Eigenart, Seltenheit oder besondere Ausstattung auszeichnen, der Landschaft ein besonderes Gepräge verleihen oder die besondere wissenschaftliche oder kulturhistorische Bedeutung haben, können mit Bescheid der Behörde zum Naturdenkmal erklärt werden. Zum Naturdenkmal können daher insbesondere Klammen, Schluchten, Wasserfälle, Quellen, Bäume, Hecken, Alleen, Baum- oder Gehölzgruppen, seltene Lebensräume, Bestände seltener oder gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, Felsbildungen, erdgeschichtliche Aufschlüsse oder Erscheinungsformen, fossile Tier- oder Pflanzenvorkommen sowie Fundorte seltener Gesteine oder Mineralien erklärt werden.“

Gemeine Esche © greensteps.me📸 greensteps.me

Alte Bäume wären besonders schützenswert

Im Gegenteil bilden alte Bäume mit ihrem hohen Totholzanteil und ihren Höhlen einen wertvollen Lebensraum für zahlreiche Arten, die bereits weitgehend aus unserer aus- und aufgeräumten Landschaft verschwunden sind. Aus naturschutzfachlicher Sicht sind also gerade diese Bäume besonders erhaltenswert!

Naturdenkmalbilanz trotz neuer Standorte negativ

Wenige Tage vor dem Jahreswechsel 2023/24 erfuhren wir, dass die Gemeinde St. Pölten im September 2023  überraschend 5 neue Naturdenkmale verordnet hat. Überraschend deshalb, da sie bisher weder kommuniziert, noch von der Gemeinde selbst auf ihrem Stadtplan oder in der Liste der Naturdenkmale auf der Homepage des Landes Niederösterreich veröffentlicht wurden – und (natürlich) sind darunter keine der von uns beantragten Standorte.

Zwischen den aktuellen Verordnungen und jenen von 2006 sind 6.417 Tage verstrichen. In dieser Zeit wurden auch neun Naturdenkmalverordnungen aufgehoben. Die Anzahl der St. Pöltner Naturdenkmale hat sich daher in den letzten Jahren trotz neuer Standorte von 48 auf 44 reduziert.

Erster (kleiner) Erfolg: Der Druck auf die Stadt steigt

Walter Heimerl-Lesnik, Grüner Gemeinderat in St. Pölten📸 Christian Dusek

Walter Heimerl-Lesnik, Gemeinderat

„Auch wenn man unsere vorgeschlagenen Standorte diesmal nicht berücksichtigt hat, werten wir die fünf neuen Naturdenkmale als ersten Erfolg unserer Initiatve, die den Druck auf die Stadt St. Pölten erhöhen konnte, dem Naturschutz mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Man wird diese Strategie bei den verbleidenden 176 unserer Standorte aber kaum durchhalten können…“

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