200 Besucher diskutierten über „Sozial-ökologisches Wirtschaften“
Rund 200 interessierte Gäste lauschten am 16. Januar 2025 im Lengenbacher Saal in Neulengbach einem hochkarätig besetzten und inspirierenden Vortrag von Prof.in Dr.in Sigrid Stagl, der renommierten Sozio-Ökonomin von der Wirtschaftsuniversität Wien und frisch gekürten Wissenschaftlerin des Jahres 2024.
Inspirierender Vortrag von Sigrid Stagl
Prof.in Dr.in Sigrid Stagl begann ihren Vortrag mit einer eindringlichen Botschaft: Ohne eine klare Buchhaltung über die Belastungen unserer Erdsystemgrenzen seien wir als Gesellschaft im “Blindflug” unterwegs.
Sie betonte, wie essenziell es sei, sich innerhalb klarer Grenzen zu bewegen, um die Stabilität von Ökosystemen zu sichern und präsentierte Zahlen zur (relativen und absoluten) Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Naturverbrauch. Dabei verdeutlichte sie, dass es neben dem Klimawandel weitere Dimensionen zu berücksichtigen gilt.
„Donut-Ökonomie“: neun planetare Grenzen
Sie bezog sich dabei auf neun planetare Grenzen, die auch in der Donut-Ökonomie nach Kate Raworth berücksichtigt werden und auf dem Konzept der „Planetary Boundaries“ basieren, das von Johan Rockström und weiteren Wissenschaftern eingeführt wurde.
Diese Grenzen definieren die sicheren ökologischen Spielräume für die Menschheit. Sie umfassen folgende Bereiche:
- Klimawandel (Climate Change): Stabilität des Klimasystems durch Begrenzung der Treibhausgasemissionen, insbesondere CO₂.
- Verlust der biologischen Vielfalt (Biodiversity Loss): Erhalt der Vielfalt von Ökosystemen, Arten und genetischen Ressourcen.
- Landnutzungsänderung (Land-System Change): Nachhaltige Nutzung von Landflächen, z. B. durch Begrenzung der Umwandlung von Wäldern in landwirtschaftliche Flächen.
- Stickstoff- und Phosphorkreisläufe (Biogeochemical Flows): Kontrolle des Einsatzes von Düngemitteln, die Stickstoff- und Phosphorüberschüsse in Gewässern verursachen.
- Süßwassernutzung (Freshwater Use): Sicherstellung einer nachhaltigen Wassernutzung ohne Überbeanspruchung von Süßwasserressourcen.
- Ozeanversauerung (Ocean Acidification): Begrenzung des Eintrags von CO₂ in die Ozeane, um ihre pH-Werte stabil zu halten.
- Atmosphärische Aerosolbelastung (Atmospheric Aerosol Loading): Begrenzung von Feinstaub- und Aerosolemissionen, die Klimasysteme und die menschliche Gesundheit beeinträchtigen.
- Eintrag neuartiger Stoffe (Novel Entities): Begrenzung des Eintrags von Schadstoffen wie Mikroplastik, Chemikalien und radioaktiven Materialien in die Umwelt.
- Schädigung der Ozonschicht (Stratospheric Ozone Depletion): Schutz der Ozonschicht durch Regulierung ozonschädigender Substanzen wie FCKW.
Gerade bei der letzten Dimension, dem Abbau der Ozonschicht, hat die Menschheit bereits gesehen, dass ehrgeizige politische Maßnahmen positive Auswirkungen haben können.
Die Donut-Ökonomie setzt sich für einen Umgang mit diesen planetaren Grenzen ein, der die sozialen Grundbedürfnisse aller Menschen befriedigt, ohne die ökologischen Belastungsgrenzen der Erde zu überschreiten. Ziel ist es, innerhalb dieses „sicheren und gerechten Handlungsraums“ zu agieren. Die ökologischen Belastungsgrenzen sind im äußeren Kreis des Donut-Modells dargestellt, die sozialen Grundbedürfnisse im inneren Kreis. Als theoretische Grundlage für die sozialen Bedürfnisse im inneren Kreis hob Stagl den Capabilities Approach von Amartya Sen und Martha Nussbaum hervor.
Praktische Beispiele für sozial-ökologisches Wirtschaften
Im Anschluss an den Vortrag gab es eine lebhafte Diskussion mit Dr.in Stagl und Neulengbachs grünem Vizebürgermeister Paul Mühlbauer. Mühlbauer skizzierte konkrete lokale Initiativen, die den Ansatz des sozial-ökologischen Wirtschaftens greifbar machen: von der Gründung von Energiegemeinschaften und der Förderung aktiver Mobilität bis hin zur Einführung von Community Nurses und zukunftsgerichteten Konzepten zur Zentrumsgestaltung.
Prof.in Dr.in Stagl ergänzte diese Beispiele durch ihre eigenen Erfahrungen aus der Forschung. Besonders hervorzuheben seien dabei Projekte in Ferlach und Haunoldstein, bei denen sie partizipative Prozesse mit der Bevölkerung begleitet hat, um den sozial-ökologischen Wandel aktiv voranzutreiben.
Engagierte Menschen und innovative Ideen haben das Potenzial, echten Wandel voranzutreiben
„Als Moderatorin der Veranstaltung möchte ich mich herzlich bei den Grünen Neulengbach für die Einladung bedanken, diese Veranstaltung zu begleiten. Die Diskussion hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft ist, um sozial-ökologische Ansätze in die Praxis umzusetzen. Die Veranstaltung bot nicht nur Denkanstöße, sondern auch Gelegenheit zur Vernetzung bei gratis Snacks und Getränken im Anschluss. Sie war ein voller Erfolg und hat einmal mehr gezeigt, dass engagierte Menschen und innovative Ideen das Potenzial haben, echten Wandel voranzutreiben.“
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