Fällung der Lindenallee in der Heidenheimerstraße steht bevor
In der Gemeinderatssitzung vom 11. Mai soll die Fällung von gleich 24 alten Linden in der Heidenheimerstraße beschlossen werden. Betroffen ist der Abschnitt zwischen der Mariazellerstraße und der Viktor‑Adler‑Straße, wo die Straße inklusive Gehsteigen und Unterbau erneuert und eine Fernwärmeleitung verlegt werden soll. Die Planung dieser Maßnahme stammt noch aus der Zeit, bevor die Grünen Teil der Stadtregierung wurden.
Die Bäume sind ca. 90(!) Jahre alt, 16 sind laut Baumkataster schwer beeinträchtigt sowie einer unsanierbar. Dennoch bleibt festzuhalten, was auf dem Spiel steht: eine gewachsene, geschlossene Baumreihe, die den gesamten Straßenraum prägt und für ein spürbar kühleres Mikroklima sorgt – für die Straße, die parkenden Fahrzeuge und vor allem für die angrenzenden Wohnhäuser.
Diese Maßnahme soll gesetzt werden, während St. Pölten in einer aktuellen Greenpeace-Studie zur Begrünung von Innenstädten an zweitletzter Stelle in Österreich gelistet wird.
Altbäume: Klimaschutz, der nicht ersetzbar ist
Die 90 Jahre alten Linden leisten heute schon das, was neue Bäume erst in Jahrzehnten erreichen könnten:
Das österreichische Umweltministerium bewertet den ökologischen und finanziellen Wert eines einzigen ausgewachsenen Stadtbaums im fünf- bis sechsstelligen Eurobereich. Um zB. die Leistungen einer 100-jährigen Buche kompensieren zu können, müsste man 2.000(!!) junge Bäume pflanzen. Dieser Wert entsteht nicht durch Symbolik, sondern durch reale, messbare Klimawirkung.
Wir Grüne haben uns dafür eingesetzt, dass bei den Ersatzpflanzungen in der Heidenheimerstraße deutlich größere Wurzelräume vorgesehen und zusätzlich in der Viktor‑Adler‑Straße 10 neue Bäume gesetzt werden. Die geplanten Ersatzpflanzungen sind wichtig, aber selbst doppelt so viele Jungbäume können die Leistungen der Lindenallee in den nächsten Jahrzehnten nicht ersetzen.
Fällt diese Allee wirklich?
Jungbäume brauchen Wasser – und zwar viel
Klar ist außerdem: Junge Bäume überleben nur, wenn sie über Jahre hinweg konsequent und ausreichend gegossen werden.
Gerade jetzt – mit extrem geringen Niederschlägen und langen Trockenperioden – zeigt sich, wie herausfordernd das ist. In St. Pölten sterben leider immer wieder neu gepflanzte Jungbäume bereits im ersten Jahr, weil die notwendige Bewässerung nicht gewährleistet wird. Ohne eine verlässliche Pflege droht auch den neuen Bäumen dieses Schicksal.
Ist die Fällung alternativlos?
Die zentrale Frage bleibt:
- Muss wirklich eine ganze wertvolle, klimawirksame Allee weichen, um eine Straßenoberfläche zu sanieren und eine Fernwärmeleitung zu verlegen?
- Wurden alle baumschonenden Varianten geprüft?
- Wäre eine abschnittsweise Bauweise möglich?
- Gibt es technische Alternativen, die den Erhalt zumindest eines Teils der Bäume ermöglichen?
- Muss die Fällung ausgerechnet in der Brutsaison der Vögel und vieler anderer Tiere erfolgen, die jetzt in der Allee ihre Jungen großziehen?
Unsere Bilder zeigen deutlich, dass hier nicht nur einzelne Bäume betroffen sind, sondern ein zusammenhängendes Ökosystem, das den gesamten Straßenraum prägt. Ein solcher Verlust ist nicht kurzfristig kompensierbar.
St. Pölten braucht endlich eine Baumschutzverordnung!
„Wer jetzt durch diese Allee geht, spürt sofort, welchen Unterschied alte Bäume machen. Sie kühlen, sie schützen, sie prägen das ganze Grätzl. Eine solche gewachsene Struktur lässt sich nicht einfach ersetzen – auch nicht durch doppelt so viele Jungbäume. Wir müssen alles daransetzen, solche wertvollen Altbäume zu erhalten und endlich eine verbindliche Baumschutzverordnung umzusetzen.“
Die aktuelle Situation macht sichtbar, wie dringend St. Pölten eine Baumschutzverordnung braucht. Wir Grüne haben diese in den Koalitionsverhandlungen verankert, und sie wird künftig in die Zuständigkeit der Umweltabteilung fallen.
Eine solche Verordnung schafft:
- klare Kriterien für Fällungen
- transparente Verfahren
- verbindliche Standards für Ersatzpflanzungen
- besseren Schutz für wertvolle Altbäume
Solange diese Verordnung fehlt, bleibt der Schutz alter Bäume lückenhaft – und Entscheidungen wie jene in der Heidenheimerstraße werden weiterhin von Projekt zu Projekt neu bewertet.
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