Aktuelle Informationen aus dem Magistrat zur Fällung der Lindenallee

In der Gemeinderatssitzung vom 11. Mai wird die Sanierung der Heidenheimer Straße und damit einhergehend die Fällung von 24 alten Linden in der Heidenheimerstraße beschlossen. Betroffen ist der Abschnitt zwischen der Mariazellerstraße und der Viktor‑Adler‑Straße, wo die Straße inklusive Gehsteigen und Unterbau erneuert werden muss. Gleichzeitig wird eine Fernwärmeleitung verlegt und die 100 Jahre alte Wasserleitung erneuert. Die grundsätzliche Planung dieser Maßnahme stammt noch aus der Zeit, bevor die Grünen Teil der Stadtregierung wurden und ökologische Kriterien weniger Gewicht hatten. 

Es ist wenig verwunderlich, dass wir als Grüne ob dieser Planungen irritiert waren. Immerhin sind Altbäume aus ökologischer Sicht unfassbar wertvoll (siehe Kasten).

Vor dem Hintergrund, dass St. Pölten in einer aktuellen Greenpeace-Studie zur Begrünung von Innenstädten an zweitletzter Stelle in Österreich gelistet wird, schlug das Thema bei uns besonders auf.

Daher haben wir besonders gründliche und intensive Gespräche mit den zuständigen Fachabteilungen geführt und versucht, uns ein bestmögliches Bild von der Situation zu machen. Das Ergebnis zeichnet ein komplizierteres Bild des Sachverhaltes.

Altbäume: Klimaschutz, der nicht ersetzbar ist

Die 90 Jahre alten Linden leisten heute schon das, was neue Bäume erst in Jahrzehnten erreichen könnten:

  • großflächige Verschattung

  • deutliche Abkühlung des Straßenraums

  • Schutz der Wohngebäude vor Überhitzung

  • Speicherung großer Mengen an Kohlenstoff

  • Lebensraum für Vögel und Insekten

Das österreichische Umweltministerium bewertet den ökologischen und finanziellen Wert eines einzigen ausgewachsenen Stadtbaums im fünf- bis sechsstelligen Eurobereich. Um zB. die Leistungen einer 100-jährigen Buche kompensieren zu können, müsste man 2.000(!!) junge Bäume pflanzen. Dieser Wert entsteht nicht durch Symbolik, sondern durch reale, messbare Klimawirkung.

Verkehrssicherheit kontra Umweltschutz?

Eine Sanierung dieses Abschnittes der Heidenheimer Straße – auf dem übrigens auch der LUP fährt – ist unabdingbar. Neben Wurzelhebungen auf der Fahrbahn und den Gehsteigen, wo immerhin Haftungsfragen relevant werden können, ist auch die Fahrbahn samt Unterbau kaputt.

Eine reine Erneuerung des Straßenbelags ist daher leider zu wenig – dieser wäre in wenigen Jahren wieder desolat. Darüber hinaus wird mit der Sanierung auch die Fernwärme verlegt und mehrere Wohnbauten dadurch von fossilen Brennstoffen auf eine umweltfreundlichere Heizform umgestellt werden. Auch die 100 Jahre alte Wasserleitung wird erneuert.

Aus all diesen Aspekten heraus steht eine Sanierung von Straße und Gehsteigen außer Diskussion.

Zu den Bäumen selbst bekamen wir vom Magistrat folgende Auskunft:

  • Die Lindenalle besteht zum Großteil aus ca. 90 Jahre alten Linden.
  • Laut Baumkataster sind diese alten Bäume – bis auf zwei Exemplare – zumindest schwer beeinträchtigt, ihre Lebenserwartung wird auf höchstens zehn Jahre geschätzt.
  • Die vier jüngeren Exemplare werden samt Wurzelballen entnommen und versetzt.
  • Im Zuge des Umbaues bekommen die neuen Bäume weit größere Pflanzgruben als bisher in der Stadt üblich.
  • In der Viktor Adler-Straße werden zwischen Heidenheimer Straße und Grillparzerstraße zusätzlich beidseitig erstmals Bäume gesetzt.
  • Die beiden Straßenabschnitte werden in Zukunft 10 Bäume mehr als bisher aufweisen, 23 Parkplätze fallen den Maßnahmen zum Opfer.
  • Die weit größeren Pflanzgruben und die Neupflanzungen in der Viktor Adler-Straße sind unserer Regierungsbeteiligung sowie dem Einsatz des Leiters der Stadtgärtnerei zu verdanken.

Dass die Linden fallen sollen, ist ohne Frage sehr bedauerlich – eine andere praktikable Lösung ist jedoch nicht greifbar. Alleine durch die Straßensanierung werden die Bäume so in Mitleidenschaft gezogen, dass sie innerhalb kurzer Zeit nicht mehr verkehrssicher wären und gefällt werden müssten.

Stadtplanung neu denken

Leider entsprechen diese alten Strukturen den heutigen Ansprüchen bei weitem nicht. Für uns als Grüne ist klar, dass Maßnahmen der Vergangenheit nicht mehr zu korrigieren sind – wir müssen jedoch daraus lernen und es für die Zukunft besser machen.

Gerade deswegen haben wir uns dafür stark gemacht mehr Bäume als bisher neu zu setzen und diesen durch klügere Vorplanung bessere Überlebenschancen zu geben. So kann sichergestellt werden, dass wir in Zukunft nicht mehr vor solchen Situationen stehen in denen sich Fragen der Infrastruktur und Verkehrssicherheit auf der einen Seite sowie des Umweltschutzes auf der anderen Seite gegenseitig ausspielen.

Diese Allee soll fallen

Jungbäume brauchen Wasser – und zwar viel

Klar ist außerdem: Junge Bäume überleben nur, wenn sie über Jahre hinweg konsequent und ausreichend gegossen werden.

Gerade jetzt – mit extrem geringen Niederschlägen und langen Trockenperioden – zeigt sich, wie herausfordernd das ist. In St. Pölten sterben leider immer wieder neu gepflanzte Jungbäume bereits im ersten Jahr, weil die notwendige Bewässerung nicht gewährleistet wird. Ohne eine verlässliche Pflege droht auch den neuen Bäumen dieses Schicksal.

Porträt Walter Heimerl-Lesnik📸 Christian Dusek

Walter Heimerl-Lesnik, Stadtrat / ständiger Vertreter des Bürgermeisters

Unsere Stimme für die Baumschutzverordnung!

„Wer jetzt durch diese Allee geht, spürt sofort, welchen Unterschied alte Bäume machen. Sie kühlen, sie schützen, sie prägen das ganze Grätzl. Eine solche gewachsene Struktur lässt sich nicht einfach ersetzen – auch nicht durch doppelt so viele Jungbäume. Wir müssen alles daransetzen, solche wertvollen Altbäume zu erhalten und endlich eine verbindliche Baumschutzverordnung zu beschließen.“

Die aktuelle Situation macht sichtbar, wie dringend St. Pölten eine Baumschutzverordnung braucht. Wir Grüne haben diese in den Koalitionsverhandlungen verankert, und sie wird künftig in die Zuständigkeit der Umweltabteilung fallen.

Eine solche Verordnung schafft:

  • klare Kriterien für Fällungen
  • transparente Verfahren
  • verbindliche Standards für Ersatzpflanzungen
  • besseren Schutz für wertvolle Altbäume

Solange diese Verordnung fehlt, bleibt der Schutz alter Bäume lückenhaft – und Entscheidungen wie jene in der Heidenheimerstraße werden weiterhin von Projekt zu Projekt neu bewertet.

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